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"Aber die Österreicher, die lieben sie"

Tokio und Wien feiern 140 Jahre beste Beziehungen
Auszug aus: Christoph Prantner aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe, 31.1./1.2.2009

Bösendorfer Kaiserflügel

Bösendorfer Kaiserflügel

Die Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und ihre Delegation sind seit fünf Tagen in Japan unterwegs. Sie will im Land der aufgehenden Sonne gut Wetter machen. Also: lächeln, höflich sein, den Gastgebern die Reverenz erweisen. Das schätzen die Japaner außerordentlich. Erst recht in diesen Jubiläumszeiten, in denen die seit 140 Jahren bestehenden Beziehungen zwischen Österreich und dem Kaiserreich Japan gefeiert werden.

Von Triest aus waren 1868 die "Donau" und die "Erzherzog Friedrich" in See gestochen. Konteradmiral Anton Freiherr von Petz brachte die Schiffe durch einen Taifun, im September 1869 legten sie in Japan an. Dort sollte Petz einen Handels- und Freundschaftsvertrag mit dem wenige Jahre zuvor von der US-Marine gewaltsam geöffneten Land aushandeln.

Diplomatische Wunderwaffe

Das gelang binnen kürzester Zeit. Auf einem mitgebrachten Bösendorfer-Flügel ließ Petz einen seiner Offiziere klassische Musik spielen, der Tenno lauschte dem Konzert hinter einem Vorhang. Nur Tage später hatten die Österreicher den besten Vertrag in der Tasche, den bis dahin ein Land mit Japan abgeschlossen hatte - und sie hatten mit der Musik eine diplomatische Wunderwaffe zur Hand, der bis heute in Japan kaum jemand widerstehen kann.
Österreich wird in Japan wegen seines Erbes in der Klassischen Musik als eine Art kulturelle Superpower angesehen: "Die Japaner brauchen die Amerikaner für ihre Sicherheit, die Deutschen respektieren sie als Konkurrenten - aber die Österreicher lieben sie", sagt ein Diplomat. Das verschafft der Republik einen Einfluss, den sie kaum anderswo in einem Land vergleichbarer Größe erreicht.
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Auszug aus: Christoph Prantner aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe, 31.1./1.2.2009