Familienalbum

Und tausend Violinen beginnen zu spielen

Es ist ein atemberaubender Ausblick, den der Bösendorfer 170, im stolzen Pommele-Furnier, genießt. Daheim in einer eleganten Eigentumswohnung in Bayonne, New Yersey, USA, streicht sein Blick über die geschäftige Bucht von Newark.

Tag für Tag ziehen schwerbeladene Frachtschiffe vorbei. Und drüben, am anderen Wasserufer, sammelt der Hafen eifrig von der Reise müde Ladungen ein und spuckt zugleich in die Fremde ziehende Container aus.

“Dieser 170er ist unglaublich”, sagt Jim. „Obwohl er im Bösendorfer Produktportfeuil der kleinste Flügel ist, hat er bereits alle Ingredienzen, die die herrlichen Instrumente aus Wien so einzigartig machen.“ Jim liebt seinen ausgewogenen Klang, den klaren Bass, die reichen Farben
und das Vibrieren der Saiten, das er bis in seine Finger spüren kann. „Ich kenne kein anderes Klavier in der Welt in dieser Größe, das auch nur annähernd so schön klingt wie unser Bösendorfer.“

Musik bringt Menschen zusammen

Jim studierte an der Oklahoma Universität in Norman, Oklamaha , Business Administration. Aber Musik spielte in seinem Leben immer eine wichtige Rolle. Mit 17 begann er Klavier zu spielen, eine Leidenschaft, die ihn sein ganzes Leben lang begleitete, „ohne dass ich jemals die Profiliga geschafft habe“. In Oklahoma schrieb er sich neben seinen Wirtschaftsstudien auch in einen Kurs über Musiktheorien ein. „Musik ist für mich eine internationale Sprache. Sie bringt Menschen zusammen und überwindet sozio-ökonomische Grenzen.“

Im Einsatz mit der C-130 Transportmaschine

Im Einsatz mit der C-130 Transportmaschine

Als Jim 1969 sein Studium erfolgreich beendet, beschließt Jim in die US-Armee einzutreten. Er lässt sich zum Air Force Piloten ausbilden. Heute lebt er als pensionierter Verkaufsleiter von Kodak ein ruhigeres Leben.

Geliebtes Jazz Idol Erroll Garner

Im Jahre 1985 wurde seine tiefe Liebe zum Jazz wortkundig. Von einem Freund Jahre zuvor dazu eingeladen, führte er dessen begonnene Dokumentation über das Leben und die Musik seines Jazz Idols, des unvergleichlichen Jazz Pianisten Erroll Garner, zu Ende. Im gleichen Jahr brachte er die Bio-Diskographie „Erroll Garner: The Most Happy Piano“ auf den Markt. Das Buch ist mittlerweile ausverkauft und findige Zeitgenossen bieten das einst 25 $ teure Buch in e-bay um bis zu 400 $ an. „Ich bin leider kein professioneller Schreiber und obwohl sich das Buch sehr gut verkauft hat und interessante Tantiemen-Zahlungen ins Haus flatterten, war mir immer klar, dass ich besser bei meinem gelernten Beruf bleibe.“

Die Bucht von Newark liegt schläfrig in der Wintersonne. Das Modell 170 Pommele ist nicht der erste Bösendorfer in der Familie Doran. Bevor sie nach Bayonne zogen, lebten Jim und Suzanne in Stony Point in New York. „ Dort war unsere Wohnung viel großzügiger. Damals besaßen wir zwei Bösendorfer, einen 225er, mit den vier extra Bass-Tasten, in Pyramiden-Mahagoni und diesen 170er. Aber der größere Flügel passte nicht in den Aufzug hier im neuen Haus“, erzählt Jim.

Über das Leben hinaus

Während seiner Überlegungen, wie er das logistische Dilemma lösen könnte, fiel ihm seine schöne Universitätszeit in Oklahoma ein und er nahm sich ein Herz und beschloss, den Bösendorfer 225 deren renommierten Musikfakultät zur Verfügung zu stellen. „Ich glaube, es ist wichtig, dass wir Dinge tun, die unser Leben auf diesem Planeten überdauern. Musikprofessorin Dr. Jane Magrath, ihre Kollegen und die Studenten waren vom Geschenk überwältigt, ist doch ein Bösendorfer etwas Besonderes, das man nicht an vielen Universitäten findet. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass diese außergewöhnlichen Studenten und Professoren mit diesem sehr speziellen Instrument und dessen einzigartigen Klang in Zukunft arbeiten werden.“

Jim Doran spielt seinen geliebten Bösendorfer 170.

Jim Doran spielt seinen geliebten Bösendorfer 170.

Unser Besuch aus Wien brachte Jim Erinnerungen zurück an die längst vergangene Studentenzeit und an ein ereignisreiches Leben. Bevor wir ihn verlassen, setzt er sich noch einmal an seinen geliebten Bösendorfer 170 und seine Finger zaubern vertraute Melodien hervor jener großen, romantischen Komposition … Misty … Und tausend Violinen beginnen zu spielen …