Geschichte

Die Geschichte

„So gab Bösendorfer dieser Stadt eine neue Stimme, vielmehr und genauer: er nahm die musizierende Stimme dieser Stadt, holte sie aus der Luft, aus den Herzen ihrer Menschen, aus der Tiefe seines eigenen Wesens ...

Ignaz Bösendorfer

Ignaz Bösendorfer

... und bannte sie in den Ebenholzschrein seiner Klaviere, dass sie - eingeschlossen darinnen – über die ganze Welt hingetragen werden konnte. Nun klingt sie überall, wo Menschen wohnen.“

Als 1897 der eingangs zitierte Satz in der „Neuen musikalischen Presse“ (Wien) abgedruckt wurde, war Bösendorfer bereits zum Inbegriff des Wiener Klangstils geworden. Bösendorfer hatte mit seinen Klavieren die Konzertpodien und Salons überall in der Habsburger-Monarchie erobert.

Viele berühmte Musiker und Komponisten haben in Wien gelebt oder gearbeitet. Josef Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Franz Liszt, Johannes Brahms, Anton Bruckner, Johann Strauß, Arnold Schönberg, Gustav Mahler …, sie alle lebten und wirkten in Wien und prägten die musikalische Kultur, die musizierende Stimme der Stadt. Nur in diesem kulturellen Umfeld, gerade in Wien, konnte ein so besonderes Instrument wie der Bösendorfer entwickelt werden.

Bösendorfer Hammerflügel aus dem Jahre 1839

Bösendorfer Hammerflügel aus dem Jahre 1839

Ihre Geburtsstunde erlebte die Bösendorfer Klaviermanufaktur am 25. Juli des Jahres 1828, als Ignaz Bösendorfer in Wien das Gewerbe des Klaviermachers anmeldete. Die Kaiserstadt galt damals (bereits) als Zentrum musikalischer Kultur und als traditionelle Stadt der Klaviermusik. Knapp 150 selbstständige Klavierbauer lebten in dieser Zeit von der Musikpflege weiter bürgerlicher Kreise.

Der Firmengründer

Ignaz Bösendorfer wurde 1794 als Sohn eines Tischlermeisters in Wien geboren, studierte an der Akademie der bildenden Künste und wurde dank großer Musikalität und technischen Verständnisses im Alter von 19 Jahren zum bekannten Klavierbauer Joseph Brodman in die Lehre geschickt. Mit einem Startkapital von 500 Gulden übernahm er 1828 dessen Werkstätte.

Bösendorfer ging daran, die in Handarbeit gebauten Klaviere (ständig) weiter zu verbessern. Das Hauptbestreben war, den am weichen Streicherklang orientierten Charakter des Wiener Instruments zu erhalten, gleichzeitig aber sein Klangvolumen zu verstärken. Das erforderte stabilere Bauweise und stärkere Saitenbespannung. Der volle, singende, auch im kräftigen Bassregister tragende Ton der Instrumente aus dem Hause Bösendorfer sollte in den nächsten 180 Jahren zum Markenzeichen werden.

Franz Liszt spielt für Kaiser Franz Josef und Kaiserin Elisabeth

Der junge Franz Liszt zertrümmerte zu dieser Zeit mit seiner impulsiven Spieltechnik fast jedes Klavier, das ihm zur Verfügung stand. Auf Anraten einiger Freunde versuchte er es mit einem Bösendorfer-Flügel – und dieser hielt seinem Spiel stand. Mit einem Schlag wurde der „Bösendorfer“ als Konzertflügel berühmt. Franz Liszt schreibt begeistert: „Die Vollkommenheit eines Bösendorfer übertönt meine idealsten Erwartungen …“

K.K Hof-Fortepianomacher

Die hohe Qualität der Bösendorfer Klaviere sprach sich herum. Auf Industrieausstellungen gab es Goldmedaillen und Kaiser Ferdinand I. verlieh 1839 Ignaz Bösendorfer, als erstem Klaviermacher überhaupt, den Titel eines „k.k.Hof-Fortepianomachers“. 1858 folgte die Ernennung zum noch höher angesehenen Kammerlieferanten des Kaisers. Solchermaßen geadelte Qualität machte sich rasch bezahlt: Der Bösendorfer Export nach Europa und Übersee florierte und schließlich hatte Bösendorfer den ersten Rang unter den österreichischen Klavierfabriken errungen.

Der geniale Sohn

Dem erfolgreichen Firmengründer, der 1859 hochgeachtet verstarb, folgte sein Sohn Ludwig Bösendorfer nach. Dieser führte die Geschäfte ganz im Sinne seines Vaters weiter, lieferte an erste Häuser, profilierte sein Unternehmen auf Weltausstellungen, pflegte Künstlerfreundschaften und betätigte sich als großzügiger Mäzen: 1889 wurde dem Gewinner des bis in unsere Tage durchgeführten „Bösendorfer Klavierwettbewerbes“ erstmals ein „Prämiumklavier“ überreicht.

Ludwig Bösendorfer

Ludwig Bösendorfer

1860 übersiedelte der Betrieb in eine neue Fabrik in Neu-Wien. Rasch wurde auch diese Fabrik zu klein, und 1870 wurde wieder umgezogen, diesmal in die Graf Starhemberg Gasse 14 in Wien-Wieden, wo das Unternehmen bis zum 31.3.2010 seinen Firmensitz hatte. (Seit 1. April 2010 sind Verwaltung, internat. Verkauf und Marketing in der Fabrik in Wiener Neustadt integriert.)

Das erste Klavier aus dem "Abendland"

Im Jahre 1869 wurde dem erfolgreichen Unternehmen eine besondere Ehre zuteil.
Anlässlich der Aufnahme diplomatischer Beziehungen Österreich-Ungarns mit dem Kaiserreich Japan machte Kaiser Franz Joseph I. der kaiserlichen Familie einen besonders kunstvollen Bösendorfer Flügel zum Geschenk.

Hinter dem Vorhang sitzend lauschte der junge Tenno zum ersten Mal westlicher Musik. Ein junges Mitglied des österreichischen Delegationsteams in Tokio spielte einen Walzer und eine Polka von Johann Strauß auf dem Bösendorfer, der so schön klang, dass der Kaiser um eine Draufgabe bat.

Innovationsgeist und Perfektionswille

Bösendorfer entwickelte eine spezielle Flügelmechanik, führte Eisengussrahmen und kreuzsaitigen Bezug in die Serienproduktion ein und übernahm ein Patent eines ungarischen Kollegen für einen gebogenen Resonanzboden, der wesentlich zum brillanten und zugleich anschmiegsamen Bösendorfer Klang beiträgt. Auf Anregung des Komponisten Ferruccio Busoni, der die Transkription der Bach’schen Orgelwerke in Angriff nahm, schuf Ludwig Bösendorfer um 1900 einen Konzertflügel mit vollen acht Oktaven und einer Länge von 290 cm. Dieses Modell ist bis heute das Flaggschiff des Hauses und erlangte unter dem Namen „Imperial“ Weltruhm.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden Bösendorfer-Flügel für den Hof des Kaisers , für Kaiserin Elisabeth, für Kaiserin Eugenie von Frankreich, den Kaiser von Japan, den Zaren von Russland und andere prominente Persönlichkeiten gebaut.

Mit Vorliebe ließ Ludwig Bösendorfer spezielle Flügel von prominenten Architekten seiner Zeit wie Theophil Hansen, Anton Großer, Hans Makart oder Josef Hoffmann entwerfen. Diese Liebe zum Design und auch zur edlen Verarbeitung pflegt das Unternehmen bis zum heutigen Tag.

Auch heute werden die Bösendorfer Klaviere sorgfältigst verarbeitet in Österreich hergestellt. Dabei greifen wir auf viele der außergewöhnlichen Designs und auf dieselben handwerklichen Techniken zurück, die unsere Gründerväter (bereits) entwickelt haben.

Staatliche Auszeichnung

Dem Unternehmen wurde im November 2002 eine besondere Ehre zuteil: in Anerkennung seiner außergewöhnlichen Leistungen um die österreichische Wirtschaft erhielt Bösendorfer vom Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit das Österreichische Bundeswappen verliehen.