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The Beatles

Im heurigen Jahr würde John Lennon seinen 70. Geburtstag feiern. So wie sein Bandkollege Ringo Starr, der heute noch um den Globus tourt. 1965 spielten sie mit den Beatles ihre einzigen Auftritte in Österreich. In Obertauern. Und auf Bösendorfer.

Es war das Drehbuch zum Film „Help!“, das die „Pilzköpfe“ zum Schifahren animierte, und zwar im schneesicheren und landschaftlich wunderschönen Obertauern in den österreichischen Alpen. Dabei wurde das "Hotel Marietta" der Familie Mackh zum alpinen "Stützpunkt" und zur „Konzertbühne“. Auf dem Konzertpodium: der Bösendorfer Flügel des Hotels.
Es waren dies die einzigen Konzerte der Beatles in Österreich, die mit rund 1,3 Milliarden verkauften Tonträgern zu den kommerziell erfolgreichsten Bands des 20. Jahrhunderts zählen.

Die Beatles und der Bösendorfer Flügel im Schnee

Die Beatles und der Bösendorfer Flügel im Schnee

Nachdem Herr Mackh Senior den Bösendorfer Flügel drehbuchgemäß in die wunderschöne Schneelandschaft von Obertauern hatte transportieren lassen, wurden Filmaufnahmen zum Song „Ticket To Ride“ und ein Fotoshooting mit den "Fab Four" auf und rund um den Bösendorfer Flügel gemacht - (v.l.n.r) Ringo Starr, Paul McCartney, John Lennon und George Harrison

Hotel Marietta in Obertauern

Die Pilzköpfe, ein Bösendorfer Flügel und die Familie Mackh waren zu Beginn des Jahres1965, während der Filmaufnahmen zum zweiten Beatles Movie „Help!“, zu einer „Familie“ geworden.
Der Bösendorfer Flügel der Familie Mackh ist auch im Video „Ticket To Ride“ zu sehen, das die wunderschöne Landschaft rund um das Hotel Marietta zeigt.

Der spezielle E-Gitarren-Sound und der für die damalige Zeit neuartig wirkende Rhythmus ließen den Song sehr modern auf die Fans und die Musikwelt wirken.
„Ticket To Ride“ erreichte Platz 1 in den britischen und den US-amerikanischen Charts. Lennon bezeichnete Ticket to Ride später einmal als den ersten „Heavy Metal - Song aller Zeiten“.

Das Video zum Song „Ticket To Ride“ finden Sie unter
www.youtube.com

Dieses Autogramm widmeten die Beatles den Mackh Töchtern Gloria, Heidi (Spitzname für Nora) und Marion.

Dieses Autogramm widmeten die Beatles den Mackh Töchtern Gloria, Heidi (Spitzname für Nora) und Marion.

"Help!" - Film und LP aus dem Jahre 1965

Der Titelsong zu „Help!“ stand bei Drehbeginn noch nicht fest, dieser musste erst von den Beatles komponiert werden. Regisseur Richard Lester, ein US-amerikanischer Filmregisseur, Filmproduzent und Autor, hatte bereits alle anderen Songs für den Film produziert. Lange Zeit sollte das zweite Movie der Beatles „Eight Arms to Hold You“ lauten, doch schließlich entschied sich Richard Lester für „Help!“, den ursprünglichen Arbeitstitel. John Lennon zählte „Ticket To Ride“ zu seinen Lieblingskompositionen.

Das Cover der berühmten LP

Das Cover der berühmten LP

Gloria Mackh zu Besuch bei Bösendorfer

1964 wurde Gloria Mackh zur Miss Austria gewählt. Die Beatlemania, die weltweite Euphorie um die britische Band, begann am 13. Oktober 1963. An diesem Tag traten die Beatles in der TV-Show Val Parnell's Sunday Night At The London Palladium auf. 1964 kam es zum Höhepunkt der Beatlemania, die bis zur Auflösung der Band im Jahr 1970 und darüber hinaus andauerte.

Gloria Mackh hat auf unsere Einladung hin Bösendorfer vor kurzem in Wien besucht und wir durften das folgende Interview über die bewegte Zeit mit den Beatles mit ihr führen.

Im Laufe der Dreharbeiten zu „Help!“ in Obertauern, entwickelte sich eine Romanze zwischen Gloria Mackh und Paul McCartney.

Im Laufe der Dreharbeiten zu „Help!“ in Obertauern, entwickelte sich eine Romanze zwischen Gloria Mackh und Paul McCartney.

Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Leben?

"Wir waren ein Drei-Mäderl-Haus und sind in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Alle hatten wir Klavierunterricht. Mama musizierte oft zu Hause und wir tanzten und sangen dazu. Die Musikalität unserer Mutter inspirierte meine Schwester Nora und mich, eine Ballettschule zu besuchen.
Meine Mutter Marietta Mackh war als Solistin, Sängerin und Pianistin an der deutschen Staatsoper tätig. Später übersiedelte die Familie nach Wien und eröffnete die bekannte "Marietta Bar" in Wien. Ich selber war als Sängerin aktiv. Gemeinsam mit meinem Mann Wolfgang Mackh hatte ich viele Jahre lang in Reifnitz am Wörthersee (Kärnten), das Sporthotel "Marietta" nach dem Motto „Unsere Gäste sind auch unsere Freunde“ geführt, und das vor allem mit sehr viel Musik."

Marietta Mackh, die hochmusikalische Mutter

Marietta Mackh, die hochmusikalische Mutter

Barmusik am Bösendorfer

"Da ein Bösendorfer Flügel in den 40er Jahren in der "Marietta-Bar" in Wien und ein Flügel bei uns zu Hause stand, nehme ich an, dass beide Flügel zu dieser Zeit gekauft wurden. In den 50ern spielte Gerhard Bronner, einer der bekanntesten österreichischen Komponisten, Autoren, Musiker und Kabarettisten, in der Bar mit Mama auf zwei Klavieren. Mein Vater verkaufte die Marietta-Bar an Gerhard Bronner 1955."

Haben Ihre Eltern Ihre Liebe zur Musik "entfacht"?

"Mama hatte das perfekte Gehör, große Musikalität, eine schöne, ausgebildete Stimme, mit der sie von Opernarien bis zu Jazz, Wienerliedern, Stanzeln und Jodeln alles singen konnte. Sie spielte Klavier und Akkordeon."

1964 wurden Sie zur Miss Austria gewählt und gingen in die USA. Warum kamen Sie nach Obertauern zurück?

"Als Miss Austria nahm ich an den Wahlen der Miss Universe in Miami, Florida, teil und arbeitete vorher und anschließend viel in den USA als Profi Sportlerin (Wasserski) und Promi-Skilehrerin (Mt. Snow, Vermont und Aspen, Colorado). Daher sprach ich damals schon sehr gut Englisch und wurde von meinen Eltern gebeten, aus den USA nach Obertauern zu kommen, um der englischen Filmcrew bei Übersetzungsarbeiten behilflich zu sein. Schließlich wirkte ich dann auch im Film mit."

Gloria Mackh beobachtet mit einem Lächeln John Lennon und George Harrison beim Eisstockschiessen.

Gloria Mackh beobachtet mit einem Lächeln John Lennon und George Harrison beim Eisstockschiessen.

Wann im Jahre 1965 sind die Beatles in Ihrem Hotel angekommen und wie lange haben die Künstler bei Ihnen gewohnt?

"Die Beatles und die Film-Crew waren ab Anfang Februar in Obertauern und richteten sich die Schmink- und Garderobenräume nach Wunsch ein. Sie blieben bis Ende der Filmarbeiten im Februar."

Wann kam es zu den "Konzertabenden", wo ein Bösendorfer Flügel gespielt wurde?

"Viele Abende entwickelten sich zu Beatles-Abenden, auch wenn dies anfangs sicher nicht geplant war. Immer wieder gab es Anlässe zu feiern. Geburtstage, Verlobungen, oder einfach ein guter Drehtag reichten aus, um in Feierlaune unsere Hausband abzulösen."

Wie haben die Fans auf die "Fab Four" reagiert?

"In unserem Skihotel befanden sich etwa 100 Hausgäste und abends kamen nochmals so viele Gäste von umliegenden Hotels. Das Geschehen auf der Bühne war meistens so unerwartet, impulsiv und mitreißend, dass die Skigäste, die einen gemütlichen Abend in unserem Skistall verbringen wollten, außer Rand und Band gerieten und weder Servicekräfte noch der Chef für Ruhe und Ordnung sorgen konnten. Nachdem unsere musikalische Unterhaltung sowieso immer von hohem Niveau und Einfallsreichtum geprägt war, wurde unser Ruf nun legendär. Abends war kein Platz und auch kein Stehplatz mehr zu bekommen. Man wusste ja nie, was der Abend bringen würde."

Während einer Drehpause genießen Gloria und Paul die gemeinsamen Momente.

Während einer Drehpause genießen Gloria und Paul die gemeinsamen Momente.

George Harrison hatte am 25. Februar Geburtstag. Haben Sie diesen damals im Hotel Marietta gefeiert?

"Ja, natürlich wurde Georges Geburtstag ziemlich „feuchtfröhlich“ gefeiert. Er hatte damals seine neue, hübsche Freundin Pat dabei und war, nach den Dreharbeiten, meist mit ihr am Zimmer. Übrigens hatte auch Ringo seine damals frisch angetraute Gattin Maureen Cox dabei, mit der er die meiste Zeit verbrachte."

Welchen Eindruck haben die Beatles auf Sie gemacht?

"Ich hatte mit Paul und John in den Drehpausen, in den Pistenraupen sitzend, viele gute und humorvolle Gespräche, und stellte sie dann auch auf Skier, um ihnen wenigstens die Anfänge dieses Sports beizubringen. Paul wollte mich unbedingt mit nach England nehmen. Ich hatte allerdings noch meine USA- Verträge zu erfüllen."

Frau Mackh, vielen Dank für das interessante Gespräch!

www.marietta.at


(da)
(Fotocredits: Gloria Mackh, Parlophone Records/EMI, EMI Music)