Daniil Trifonov spielte 5 Konzerte im Musikverein auf Bösendorfer 280VC


„Überwältigender Klangrausch“ und „Daniil Trifonov als virtuoser Solist“ titeln die Wiener Zeitungen


Daniil Trifonov konzertierte im Januar an fünf Tagen im Musikverein auf Bösendorfer 280VC und erregte die Aufmerksamkeit der Musik Kritiker der Wiener Tageszeitungen.

“Überwältigender Klangrausch” titelt die Wiener Zeitung und schreibt weiter: “Solist Daniil Trifonov, derzeit bejubelt wie kaum ein anderer Vertreter der jungen Pianistengeneration, spielte am Bösendorfer seine rhythmischen und perkussiven Stärken mit schlafwandlerischen Sicherheit aus.” Die Presse berichtet: Im Verein mit dem Dirigenten Alain Altinoglu bot der Pianist [Trifonov] eine Rachmaninow-Leseart, die wohl viele Hörer überraschte … Trocken, glasklar und ohne donnernde Virtuosengeste arbeitete Trifonov jedes Detail des Soloparts heraus, immer bedacht auf die klangliche Integration in das große Ganze. So hat man Rachmaninow noch nie gehört, … scharf geschnittene, in vielfältigen Farbmixturen gekennzeichneten Klänge … Da braucht es Fingerfertigkeit der höchsten Ordnung, die ganz im Dienste der Durchleuchtung harmonischer und motivischer Strukturen steht – Trifonov bietet sie auf dem Bösendorfer in technischer Vollkommenheit“.

 

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 g-Moll, op. 40 - Das vierte und letzte Klavierkonzert skizzierte Rachmaninow 1917 in Moskau, arbeitete es in den USA aus und vollendete es 1927. Dieses Konzert steht bis heute im Schatten der ersten drei Klavierkonzerte. Den einen erschien und erscheint es nicht modern genug, den anderen zu modern. Auch an den besonders im zweiten Satz deutlich hörbaren Jazz-Einflüssen scheiden sich die Geister. Eine Überarbeitung 1941 half dem Werk, aber an die Popularität der drei vorangegangenen Konzerte konnte es nicht anschließen. Nüchtern betrachtet ist dafür nur ein Schubladendenken verantwortlich. Rachmaninow galt als letzter Romantiker, und die hatten es in den Dreißigerjahren schwer. Wenn in einem neuen Werk die Details nicht den Klischeebildern seiner Anhänger entsprachen und von seinen Gegnern nicht wahrgenommen wurden, saß der Komponist zwischen den Stühlen.

Der technische Anspruch an den Solisten ist in diesen Konzerten enorm, die Instrumentation glänzend und die kompositorische Arbeit weder stagnierend, noch retrospektiv, wie oft behauptet wurde, sondern höchst innovativ. Diese, besonders im Vierten Klavierkonzert fortschrittlichen Tendenzen sind in den Ecksätzen in der Farbigkeit des Stimmengewebes eines höchst komplizierten Orchestersatzes zu finden, der in einem steten Wettstreit mit der fingerbrecherischen Virtuosität des Soloparts steht. Vielleicht war (und ist) es auch zu schwierig, dieses Vierte Klavierkonzert gut aufzuführen, vielleicht steht es deswegen im Schatten der anderen, vielleicht haben es deswegen nicht viele Pianisten im Repertoire. Noch vor der Uraufführung warnte der Pianist Joseph Hofmann. Ihm schien es „ziemlich kompliziert zu sein, das Werk zusammen mit dem Orchester aufzuführen, hauptsächlich wegen der ständigen Rhythmus-Wechsel“. (Prof. Dr.Dr.h.c. Otto Biba, Archivdirektor der Gesellschaft der Musikfreunde)

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Konzertprogramm und Titelblatt der Februar Ausgabe des "Musikvereins Magazins" Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Der fünfte Abend: Verlorenes wird Musik - Trios von Rachmaninow und Schostakowitsch

Daniil Trifonov, Artist in Residence bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, widmet sich im Kammermusikzyklus Werken von Schostakowitsch und Rachmaninow. Gemeinsam mit Sergej Dogadin (Violine) und Narek Hakhnazaryan (Violoncello) spielt er Trios, in denen Totenklagen sich nicht in Schmerz verlieren.

Rachmaninow und Schostakowitsch, jeweils die Trios Numero zwei: Beide Werke, von Trifonov und seinen Freunden zum Programm gebündelt, sind nicht nur „Totenklage“, sondern „Totenmemoria“: „paradigmatischer Fall des kulturellen Gedächtnisses“, das uns derzeit durch die Publikationen von Aleida und Jan Assmann, Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2018, neu bewegt. Das Opus des zwanzigjährigen Rachmaninow, der seine Liebe zu Tschaikowskij 1893 in einem monumentalen „Trio élégiaque“ Musik werden lässt, ist zwar gezeichnet von der Erschütterung über den Tod jenes Meisters, der ihn so sehr geprägt, geleitet hatte. Zugabe: Rachmaninow Vocalise, op. 34/14, bearbeitet von Daniil Trifonov.

„Mit zwei fabelhaften Partnern, dem Geiger Sergei Dogadin und dem Cellisten Narek Hakhnazaryan, erreichte er [Trifonov] Übereinstimmung im Zusammenspiel und Harmonie in der Interpretation, wie es nur alle heiligen Zeiten zu erleben ist. Die drei phrasierten und empfanden gemeinsam, als musizierten sie seit Jahrzehnten miteinander. Mit wie in Blei gegossenen Akkorden beherrschte Trifonov hier das Geschehen. Er bemühte sich permanent um Nuancen, entlockte dem scharf präparierten Bösendorfer ein schier unendliches Vokabular an Schattierungen“ schwärmt Die Presse. Über Rachmaninows Trio élégiaque schreibt die Wiener Zeitung:  „Ein süffiger Sound von Geige und Cello, dazu viel Diskant-Geglitzer und Donneroktaven vom Flügel … Den eigenen [Trifonovs] Notenfluss noch im Prestissimo wachsweich modellieren, das kann sonst kaum einer. Dieses Talent kommt hier vor allem dem Mittelsatz zugute, in dem die Triolen wie Sodabläschen perlen;“


Die Februar Ausgabe des Magazins der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien zeigt Daniil Trifonov auf dem Titelblatt und widmet diesem außergewöhnlichen Pianisten den ersten Beitrag im Magazin über fünf Seiten mit dem Entree: „Ein Pianist für den Rest unseres Lebens“. So beschrieb der englische Musikkritiker Norman Lebrecht über einen Künster, der mit noch nicht einmal 28 Jahren zu den meistgefragten der Welt gehört: Daniil Trifonov.

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