Ignaz Bösendorfer – 160. Todestag eines einzigartigen Entrepreneurs



Mit großem Musikverständnis, ausnehmend guter technischer Veranlagung und kompromisslosem Qualitätsbewusstsein schafft Ignaz Bösendorfer etwas ganz Besonderes: er baut Flügel, die nicht nur technisch der neuen, kraftvollen Spielweise von Pianisten wie Liszt standhalten, sondern auch mit ihrem Klang Komponisten und Publikum gleichermaßen inspirieren.

Mit 19 Jahren geht Ignaz Bösendorfer beim Klaviermacher Joseph Brodmann in die Lehre. Brodmann, selbst Schüler des bekannten Orgel- und Instrumentenbauers Hoffmann, ist zu dieser Zeit einer der besten und bekanntesten Klaviermacher in Wien. Nach seinem Tod übernimmt Ignaz 1828 den Betrieb und konzentriert sich sogleich auf das Studium der französischen Instrumente. Er will seinen Instrumenten einen kräftigeren Ton verleihen. Das Tüfteln zahlt sich mit einer Goldmedaille bei der Wiener Industrieausstellung aus. Im gleichen Jahr verleiht ihm Kaiser Franz Ferdinand I. den Titel „k.k. Hof-Klavierverfertiger“, der bis dato noch keinem österreichischen Klaviermacher verliehen worden ist.

Die teils sehr engen Freundschaften zu Künstlern und Komponisten sind ein weiterer Erfolgsfaktor. So gelingt Ignaz 1842 auch der Durchbruch auf dem Konzertpodium: Anton Rubinstein spielt anlässlich seiner Konzertreihe im alten Musikvereinssaal in den Wiener Tuchlauben sein erstes Konzert auf einem Flügel, der in der Presse eine schlechte Kritik erhält. Daraufhin wechselt Rubinstein zu einen Bösendorfer und erntet großes Lob der Zeitungskritiker ob der „Gleichmäßigkeit der Tonqualität und dem kräftigen Bass“.

Die zweite Goldmedaille der Wiener Industrieausstellung folgt 1845 und verstärkt den Export. Bald platzt die Produktionsstätte aus allen Nähten. Enthusiastisch wird an einer neuen Manufaktur gebaut und von den Medien entsprechend aufgegriffen ; „… hat Bösendorfer, der an seinem Sohn Ludwig einen ebenbürtigen Compagnon und Geschäftsführer sich erzogen, sich ein mit allen Fortschritten der heutigen Industrie ausgestaltetes Etablissement in Neu Wien erbaut, welches noch im Laufe diesen Jahres bezogen werden soll, …“ schreibt die „Neue Wiener Musikzeitung“ 1857.

Der Umzug bleibt Ignaz allerdings versagt. Am 14. April 1859 stirbt er im Alter von 65 Jahren. Sein hohes Ansehen im Wiener Kulturleben und seine sehr geschätzte Persönlichkeit würdigt das „Neue Wiener Musikjournal“ in einem Nachruf wie folgt: „Der Tod Bösendorfers wird von allen Gesellschaftsschichten tiefstens bedauert, da wir in ihm einen Ehrenmann  in vollster Bedeutung des Wortes verlieren. Einfach, ehrlich und gerecht zu jedermann, herzlich und offen zu seinen Freunden, großzügig und nobel den Künstlern gegenüber.“

Frühzeitig weiht Ignaz seinen Sohn Ludwig in die hohe Kunst des Klavierbaus ein und sichert damit den Fortbestand seines großen Schaffens. Vater & Sohn, zwei musikalische Tüftler und geschickte Entrepreneure erobern über Europa die ganze Welt – und unsere Herzen. Ihre Liebe zur Musik und der intensive Austausch mit den Komponisten und Pianisten ihrer Zeit sind eine schier unerschöpfliche Quelle. Ihr Geist ist auch nach Jahrhunderten allgegenwärtig und beflügelt uns bis heute zu immer neuem Tatendrang.

Tauchen Sie ein in die Bösendorfer Klangwelt…


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