Martin Reiter - CD Präsentation "Lucid"


15.03.2018 19:30


"Schon lange hat es mich gereizt, Grenzen zwischen Improvisation und Komposition auszuloten. Immer öfters kam ich in Situationen, in denen ich bei Kollegen oder bei mir selbst innerhalb der Improvisation eine so starke Motivik und so gelungene musikalische Verarbeitung eines Themas oder eines Leitgedankens beobachten konnte, dass mir die Grenzen zu verwischen schienen." - Martin Reiter

Lucid


Ein luzider Traum ist ein Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt und nach eigenem Entschluss handeln kann, derart auch den Verlauf eines Traums mitbestimmen kann. Beim Improvisieren kann man als Musiker ähnliche Situationen erleben, wenn die Finger ihre eigenen Wege finden, der Interpret aber die Übersicht behält und gezielt Impulse geben kann, um den Verlauf einer Improvisation gleichzeitig zuzulassen und mitzubestimmen.


Zur Entstehung


"Schon lange hat es mich gereizt, Grenzen zwischen Improvisation und Komposition auszuloten. Immer öfters kam ich in Situationen, in denen ich bei Kollegen oder bei mir selbst innerhalb der Improvisation eine so starke Motivik und so gelungene musikalische Verarbeitung eines Themas oder eines Leitgedankens beobachten konnte, dass mir die Grenzen zu verwischen schienen. Die Idee war, mich so intensiv damit auseinanderzusetzen, dass ich es fertig bringen würde, Musik aus dem Moment entstehen zu lassen, die man danach transkribieren könnte und als Komposition werten könnte. Sehr verwandt zu der Technik des sogenannten „Instant Composing“.

Bei meiner ersten vollständigen Solo-CD „Inventions & Impressions“ 2011 waren diese Extemporierungen (Inventions) noch teilweise sehr kurz. Ein schöner musikalischer Bogen auf dem Album ließ sich nur durch Mischen mit tatsächlichen Kompositionen (Impressions) erzielen, doch mittlerweile hat diese Arbeitstechnik solche Früchte getragen, dass die 

spontan entstehenden Stücke ihre Spannung viel länger halten können und dass die Produktion einer zu 100% improvisierten solo CD verwirklicht werden konnte, die unter dem Titel „ex tempore“ noch 2017 veröffentlicht werden wird.

Doch auch die Gestaltung und Umsetzung von Kompositionen mit einem vorgegebenen Rahmen lässt im Bereich des Jazz eine große Freiheit zu. So experimentiere ich in letzter Zeit auch bei live-Konzerten viel mit der spontanen Interpretation von Jazzstandards oder auch meiner eigenen Stücke. Wenn das Ausgangsmaterial wirklich verinnerlicht wurde, eröffnen sich ungeahnte Möglichkeit bei der Gestaltung von Form, Harmonik oder bei der improvisatorischen Verarbeitung eines Themas. So können die Grenzen zwischen Kompositionen und Improvisationen verfließen, ähnlich wie die alten Meister zu Bachs Zeiten noch in der Lage waren zu improvisieren oder spontan über ein vorgegebenes Thema zu extemporieren." - Martin Reiter

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© Julia Wesely

Künstler


Martin Reiter, geboren 1978 in Wien, hat in Linz, Wien, Den Haag und New York, USA Musik studiert und ist neben umfassenden Aktivitäten als „performing artist“ mittlerweile selbst Pädagoge an der Musik und Kunst Privatuniversität Wien. Neben Tätigkeiten als „Sideman“ für Größen wie Bennie Maupin, Michael Mantler oder Alegre Correa hört man ihn nun vermehrt als Solo Pianist, mit seinem akustischen und elektrischen Trio und seinem Projekt THE FLOW, das er gemeinsam mit Andi Tausch ins Leben gerufen hat.

Der Release seines ersten Albums Chez es Saada 2005 ebnete viele Wege ins europäische Ausland (Polen, Bulgarien, Deutschland, Schweiz und Slowakei) und das zweite Album ALMA, das 2008 den Hans Koller Preis für die CD des Jahres erhielt, wurde neben Europa sogar in China, Senegal und Brasilien präsentiert. 2011 veröffentlichte er sein erstes reines Solo-Album „Inventions & Impressions“ und 2014 seine Doppel-CD „acoustic & electric trio“.

Auch als Komponist in so verschiedenen Genres wie Streichquartett, Kammerorchester, Big Band oder Kinderlied hat sich Reiter mittlerweile einen Namen gemacht und komponierte unter anderem für das Upper Austrian Jazz Orchester, die Robert Bachner Big Band oder die Lungau Big Band. In intensiver Zusammenarbeit mit der Universal Edition ist ein interessanter Kurt Weill Band für verschiedene Solo-Instrumente mit Klavier entstanden, eine Bearbeitung der rumänischen Tänze von Bartok für Saxophon und Klavier und für 2017 ist die Veröffentlichung einer zweibändigen Schule für Jazzklavieranfänger geplant.       

Nach zwei musikalischen Brasilienreisen, umfassender Tourneetätigkeit mit seiner Alma-Band (feat. Ana Paula da Silva) und einem beachtenswerten Duo-Projekt mit dem deutschen Pianisten Pablo Held konzentriert sich Reiter nun auf die Essenz, auf intuitiv maßgeschneiderte Kompositionen und Stegreifimprovisationen für Klavier zu zwei Händen, performed by himself....

Karten


€ 25,- regulär
€ 20,- ermäßigt

Reservierung unter salon@boesendorfer.com
oder
01 504 66 51 310

Bösendorfer Saal im Mozarthaus Vienna
1010 Wien, Domgasse 5 (direkt hinter dem Stephansdom)
U1/U3 Station Stephansplatz

Kammermusik Konzert mit Isabelle Faust und Alexander Melnikov
Klavierabend mit Giorgia Vitale