Sir András Schiff - Lucerne Festival Schweiz


mit seinem Flügel in Pyramiden Mahagoni


Im Zuge des Piano-Festivals 2018 spielte Sir András Schiff am 19. und 20. November in Luzern auf seinem persönlichen Bösendorfer Flügel 280VC in Pyramiden Mahagoni

Rezital 2 - Ein Konzert besteht aus verschiedenen Kompositionen, aber es kann auch in sich selbst schon mit seiner Abfolge wie ein kleines Kunstwerk wirken. Kaum ein zweiter Pianist «komponiert» seine Programme so schön wie Sir András Schiff: Seine beiden Rezitale, die er zum 20. Jubiläum des Luzerner Piano-Festivals gestaltet, gruppiert er um das Spätwerk von Johannes Brahms, der sich zurückzuerinnern scheint: an ältere Kollegen, die er entweder, wie Robert Schumann, selbst gekannt oder, wie Mendelssohn und Mozart, zeitlebens bewundert hat; an den «Riesen» Beethoven, aus dessen Schatten er sich erst mühevoll herauskämpfen musste; oder an den Mythos Bach, der den Fixpunkt von Brahms’ geistiger Welt bildete. Im Wechselspiel seiner und ihrer Werke entsteht ein «Bündnis verwandter Geister», ein musikalisches Familienportrait in zwei Teilen: Traditionslinien werden freigelegt, überraschende Bezüge offenbar. Und plötzlich verschwindet die Zeit aus dem Raum: Der historische Abstand scheint aufgehoben, denn die künstlerischen Gemeinsamkeiten sind stärker als der Wandel der Epochen. 

 

Rezital 3 - «Die westliche Musik erreicht einen absoluten Gipfel bei und mit Bach», glaubt Sir András Schiff. «Dann erlebt sie eine zweite goldene Ära in der Wiener Klassik bis zum Tod Schuberts 1828. Weitere produktive Phasen bilden Romantik und Spätromantik.» In seinen beiden Konzerten beim Piano-Festival konzentriert er sich ganz auf diese drei grossen Blütezeiten der Musikgeschichte und stellt sie im unmittelbaren Wechselspiel einander gegenüber. Dabei sorgt er für verblüffende Erkenntnisse, etwa was die Modernität der Komponisten angeht: «Man kann nicht ernsthaft behaupten, Brahms sei fortschrittlicher als Bach», erklärt er. Doch der Abend hält noch weitere Entdeckungen bereit: Wenn Schiff Beethoven spielt, wartet ein «metaphysisches und kosmisches» Erlebnis auf das Publikum, während Robert Schumanns letztes Werk, die Geistervariationen, die lange für die Schöpfung eines «Wahnsinnigen» gehalten wurden, einen zu Tränen rühren können. Dazu passen die späten Klavierstücke von Brahms, die Schiff als «herbstlich, melancholisch, resigniert» beschreibt. Ein bewegender Abschied – und doch kein Abgesang.

Die NZZ Neue Züricher Zeitung schreibt: “Brahms’ späte Klaviermusik, die mit Ausnahme der Rhapsodien op. 79 vollständig erklang, setzte wiederum András Schiff in einen aufschlussreichen Dialog mit Werken seiner «Hausgötter» Bach, Beethoven, Mozart, Mendelssohn und Schumann. Schon Schiffs Wahl eines deutlich kammermusikalischer klingenden Bösendorfer-Flügels war dabei ein Statement: Nicht das Konzertante, sondern eine Schule des Hörens stand hier im Vordergrund, verbunden mit der Erkenntnis, wie organisch sich in der Klaviermusik der deutschen Tradition, allen stilistischen Unterschieden zum Trotz, eins aus dem anderen entwickelt. Deutlich wird dabei auch, wie weit gerade Brahms in seinem Klavierschaffen zurückblickt zu Bach, aber ebenso voraus, auf die Moderne und den aufkeimenden Impressionismus. … Alles Didaktische transzendierend, gelingt Schiff eine überaus eindringliche, um jeden kostbaren Moment ringende Wiedergabe der späten Einsamkeitsmonologe von Brahms, die er mit Stilbewusstsein und überlegener Gestaltungskraft zu den übrigen Werken in intime Beziehungen setzt.”

 

NZZ/Auszug aus dem Artikel "In der Schule des Hörens"/Christian Wildhagen/23.11.2018

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Lucerne Piano-Festival 2018 - Sir András Schiff erstmals mit seinem im Sommer fertiggestellten Bösendorfer Modell 280VC "Vienna Concert" in Pyramiden Mahagoni